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Dr. Lars Sievert
FA
für Allgemeinmedizin Naturheilverfahren
Chirotherapie, Osteopathie Akupunktur, Notfallmedizin
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Was ist Osteopathie?
Die Osteopathie ist eine von dem Amerikaner Dr. Andrew Taylor Still (1828-1917) begründete ganzheitliche Behandlungsmethode, die durch gezielte manuelle Techniken die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert. Dazu ist eine sehr gute Kenntnis der Anatomie und Physiologie des Menschen und die intensive Schulung des Tastsinns des Arztes Voraussetzung. Der Name kommt von griechisch "Osteon" = Knochen und "pathein" = leiden.
Die osteopathische Medizin ist ein ganzheitliches Therapiekonzept und beschäftigt sich mit dem Studium der Matrix des Bindegewebes, der Muskeln, Knochen und der Inneren Organe. Sie untersucht von einem ganzheitlichen Gesichtspunkt die Bewegungen und die Rhythmen des Lebens.
Ich hatte die Gelegenheit im Rahmen meiner Weiterbildung an der Klinik für Manuelle Medizin in Hamm, später an der Deutschen Akademie für Osteopathische Medizin (DAOM), diese Methode von einem Lehrern an St. Mary´s Spine Center, San Francisco, Harry D. Friedman, D. O., und Ken Lossing, D.O. zu erlernen. Mitlerweile bin ich selbst Dozent für Osteopathie. Die Grundprinzipien der Osteopathie sind im folgenden zusammengestellt:
1. Der
Aufbau des Körpers und seine Funktionsfähigkeit stehen in Wechselwirkung:
Verbesserung der körperlichen Verfassung verbessert die Funktion,
und umgekehrt verändert sich die körperliche Verfassung durch
Übung.
2. Gute Durchblutung ist ein wichtiger Faktor für gesunde Körperfunktion.
Gleichzeitig bedarf es ausreichender lymphatischer Drainage zum Abtransport
von Stoffwechselabfallprodukten. Krankheit entwickelt sich auf dem Boden
von Fehlfunktionen dieses Systems.
3. Der Körper hat eine ihm innewohnende Fähigkeit, Krankheiten
zu heilen. Das Ziel osteopathischer Therapie ist, die Selbstheilungsfähigkeit
des Körpers zu verbessern, indem sie die integrativen Funktionen
des Körpers optimiert. Insbesondere be- diese Behandlungsmethoden
eine Wiederherstellung des inneren Gleichgewichts durch Verbesserung der
arteriellen, venösen und lymphatischen Funktion und Entlastung der
biomechanischen Stressmuster im Bindegewebe und Muskulatur (in der Matrix
des Grundsystems nach Pischinger).
Die Osteopathie ist in den USA voll akzeptiert und Teil eines akademischen Medizinstudiums an derzeit 18 medizinischen Hochschulen. Seit September 2004 gibt es in Deutschland einen Dachverband der Osteopathen, die Bundesarbeitsgemeinschaft Osteopathie - BAO, die die Ausbildung zum Osteopathen vereinheitlicht hat. Sie umfasst eine Ausbildung von mindestens 4 Jahren, in Teilzeit mindestens 1350 Kontaktstunden in Theorie und Praxis sowie eine Abschlussprüfung und eine Abschlussarbeit.
Im Einzelnen werden heute folgende Teilbereiche der Osteopathie unterschieden:
1. Techniken, die sich mit den Gelenken, Muskeln und Bindegewebsstrukturen
des Bewegungsapparates befassen.
Dazu gehören u. a. die Funktionellen Techniken, Counter-Strain-Techniken
und Muskel-Energie-Techniken.
2.Viszerale Techniken, die die Beweglichkeit und Funktion der inneren
Organe beeinflussen.
3. Die Kraniosakraltherapie, die die Beweglichkeit der Schädelknochen,
der Hirnhäute, des Kreuzbeins und die Pulsation der Hirnflüssigkeit
sowie die Auswirkungen dieser Phänomene auf den ganzen Körper
betrachtet.
4. Somatoemotionale Techniken, die Einfluss auf die seelischen Zustände
nehmen, indem sie den Zusammenhang von Matrix und Bindegewebe und seelischen
Funktionen nutzen.
Funktionelle Techniken gehören zu den besonders sanften neueren indirekten Techniken der Osteopathie, die ich gerne anwende. Sie wurden von William L. Johnsten und meinem Lehrer Harry D. Friedman in den 90er Jahren in den USA entwickelt. Bei der Untersuchung des Patienten wird dabei auf die Anfangsbewegung in der betroffenen Region fokussiert: Die Bewegungsrichtung wird vorgegeben durch eine sofort auftretende Spannungsabnahme. Das betroffene Segment wird in allen Richtungen des Raums in den drei Raumachsen in Rotation und Translation in beliebiger Reihenfolge optimal positioniert. Zusätzlich wird dann noch berücksichtigt, ob sich das Gewebe bei Ein- oder Ausatmung mehr entspannt. Die entspannteste Position wird dann kurz gehalten und der Patient in die Ausgangsstellung zurückgeführt. Da diese Techniken nur mit geringstem Kraftaufwand und kleinsten Bewegungen ausgeführt werden, sind keine Gefahren für den Patienten zu erwarten.
Angezeigt ist diese Therapie bei allen durch Gelekdysfunktionen hervorgerufenen Probelemen wie Schwindel, Kopfschmerz, Schmerzen im Bindegewebe und Gelenken, muskulären Verkrampfungen und Schmerzzuständen, Durchblutungsproblemen, Lymphstau
Ähnliche Prinzipien der Behandlung gelten auch für den Bereich der Inneren Organe (Viszeralosteopathie). Durch die Behandlung soll eine eingeschränkte Beweglichkeiten und erhöhte Spannung behoben werden. Grundlage der Viszeralen Osteopathie ist eine besondere Untersuchungstechnik, die die Beweglichkeit und die innere Verknüpfung der Organe miteinander in den Mittelpunkt stellt. Werden dabei Störungen der Beweglichkeit festgestellt, kann der geschulte Therapeut durch entsprechende direkte oder indirekte sanfte manuelle Techniken, das betreffende Organsystem in seiner Beweglichkeit wieder optimieren.
Durch Verklebungen im Bauchraum als Folge von Entzündungen oder Operationen kommt es zur Einschränkung der Verschieblichkeit der inneren Organe. Dadurch resultiert eine schlechtere Durchblutung, eine eingeschränkte Lymphfunktion. Durch die Wiederherstellung der Beweglichkeit erzielt man deshalb eine Verbesserung des Stoffwechsels und damit der Funktion des betreffenden Organs. Das führt auch (über entsprechende Nervenbahnen) zu einer verbesserten Steuerung der Muskulatur durch das Zentral-Nerven-System und zu einer Optimierung des Hormonhaushalts, Beseitigung von Muskelverkrampfungen und schließlich zu einem positiven Einfluß auf die Psyche.
Wie die meisten Naturheilverfahren ist diese Therapie leider nicht in der Lage, Tumoren oder schwere akute Entzündungen zu heilen. Aber auch Patienten mit bösartigen Erkrankungen können von der schmerzlindernden Wirkung dieser Therapie profitieren.
Hilfreich ist das Verfahren u.a. bei allen chronischen Störungen des Magen-Darm-Trakts, Refluxösophagitis, Reizmagen, Reizdarm, Leber- und Gallenfunktionsstörungen, rezidivierenden Harnwegsinfekten, Verspannungen der Atemwege, Schluckbeschwerden, Bauchspeicheldrüsen-Schwäche, Störungen des Hormonsystems, des Stoffwechsels, der Lymphzirkulation, der Durchblutung, und bei therapieresistenten Kopfschmerzen und Schmerzen des Bewegungsapparates.
Um 1900 wurde von William Garner Sutherland die Kraniosakrale Therapie
ausgearbeitet. Es wurde festgestellt, dass die Schädelknochen keineswegs
ein starres Gehäuse für das Gehirn bilden, sondern sich gegeneinander
bewegen. Dieses Pulsieren des Schädels geschieht sehr langsam - etwa
6-12 mal pro Minute. Es ist eine Bewegung, an der keine Muskeln beteiligt
sind, wie bei der Atmung oder dem Herzschlag. Entlang der Schädelnähte
sind Bewegungen festzustellen, die sich im Millimeterbereich bewegen.
Erklärt wird dieser Rhythmus mit der Theorie, dass der Liquor (das
Hirnwasser), der das gesamte Zentralnervensystem umspült, Druckschwankungen
unterliegt. Diese kommen wahrscheinlich dadurch zustande, dass der Liquor
schneller gebildet wird, als er abfließen kann. Erreicht der Liquordruck
im Schädel einen bestimmten Wert, wird die Produktion gehemmt. Die
Druckrezeptoren für diesen Mechanismus liegen wohl im Bereich der
Schädelnähte, die ja bei Drucksteigerung auseinanderweichen.
Dieser Kraniosakrale Mechanismus betrifft aber nicht nur den Schädel:
Da der Liquor auch das Rückenmark umspült, wird die gesamte
Wirbelsäule und insbeson-dere das Ende derselben, das Kreuzbein (Os
sakrum), in die Bewegung einbezogen. Über die bindegewebigen Strukturen
der harten Hirnhaut, die den Liquor einschließt, überträgt
sich der Kranio-Sakrale Rhythmus auf die Extremitäten und kann auch
dort festgestellt werden. Der ganze menschliche Körper wird also
durch diesen Liquorrhythmus beeinflusst. Als ob der Körper noch eine
andere Atmung hätte. Und in der Tat erinnern die Bewegungen der Schädelknochen
an die Kiemenatmung eines Fisches.
Nach entsprechender Anleitung ist es nun möglich, diese Bewegungen
zu tasten und Fehler im Bewegungsablauf zu korrigieren. Durch sanftes
Ziehen oder Drücken an bestimmten Strukturen kann der Körper
dazu gebracht werden, wieder seinen eigenen Rhythmus zu finden.
Angezeigt ist diese Therapie bei Abwehrschwäche, ständigen Infektionen, Fieber, zur Entgiftung des Körpers, nach Unfällen mit Kopfverletzungen, Allergien, bei Blasenentleerungsstörungen, Geburtsproblemen, Schwindel, Kopfschmerz, Schmerzen im Bindegewebe und Gelenken, muskulären Verkrampfungen und Schmerzzuständen, Durchblutungsproblemen, Lymphstau, psychovegetativen Erschöpfungs-Zuständen, Schlafstörungen, Depressionen.
Somatoemotionale Techniken, die von Barral in die Osteopathie eingeführt wurden, gehen auf den Zusammenhang von Psyche und somatischen Dysfunktionen ein und helfen z. B. bei depressiven Verstimmungen.
Was ist Chirotherapie?
Chirotherapie ist als Zusatzbezeichnung für Ärzte anerkannt.
Sie beinhaltet eine intensive praktische und theoretische Ausbildung von
mindestens 320 Stunden. Auch Physiotherapeuten mit einer entsprechenden
Weiterbildung können in Deutschland auf ärztliche Verordnung
hin manualmedizinisch tätig sein.
Zu therapeutischen
Zwecken nutzt die Chirotherapie Weichteiltechniken, Mobilisations- und
Manipulationstechniken.
Die klassischen Manipulationstechniken sind Gelenkbehandlungstechniken,
die mit einem Impuls hoher Geschwindigkeit und kleiner Amplitude arbeiten
und im Rahmen der Chirotherapie wegen der Risiken und zu beachtenden Kontraindikationen
nur Ärzten erlaubt ist. Nach genauer Untersuchung wird das blockierte
Segment so eingestellt, dass nach Verriegelung der anderen Segmente nur
noch das blockierte Segment durch einen Impuls bewegt werden kann. Erst
nach einem Probezug (diagnostische Probebehandlung) wird dann der eigentliche
Impuls als schnelle Bewegung mit geringem Krafteinsatz durchgeführt.
Das blockierte Gelenk wird dabei mit einem charakteristischen Knack-Geräusch
befreit.
Bei kunstgerechter
Ausführung sind die chirotherapeutischen Techniken an Extremitätengelenken
eher harmlos. Selten kommt es zu kurzzeitigen Gewebsreaktionen wie z.
B. muskelkaterähnlichen Schmerzen im Bereich der behandelten Gelenke
und im Bindegewebe. Manchmal kommt es zu vorübergehendem leichten
Schwindel oder Kreislaufproblemen. Bei Chirotherapie im Bereich der Wirbelsäule
- insbesondere der Halswirbelsäule - wird es gefählicher-deshalb
wende ich diese Techniken nur sehr selten an - und nur nach dem Ausschluss
von Kontraindikationen durch bildgebende Verfahren. Ansonsten bieten sich
zur Behandlung der Halswirbel schonende Techniken der Osteopathie an.